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Nachdem meine Uroma geheiratet hatte, ist sie mit ihrem Mann in das neugebaute Haus gezogen. Sie hat wenige Wochen später einen weißen Rosenstock in den Garten gepflanzt.

Dieser Rosenstock hatte die folgenden Jahre immer nur wenige bis gar keine Blüten. Als das dritte Mädchen meiner Uroma eineinhalb Jahre alt war, blühte der Rosenstock in voller Pracht, sodass es jedem sofort auffiel, der in den großen Garten sah.

Wenige Wochen später starb das eineinhalbjährige Mädchen.

Viele Jahre vergingen und der Rosenstock blühte immer nur dann sehr prächtig, wenn enge Familienangehörige starben. Z.B. die Töchter meiner Uroma, also meine Großtante mit 50, zwei Jahre später deren Schwester, meine Oma mit 50 und einige Jahre später mein Uropa mit 82.

Auch vor dem Tod von anderen Familienangehörigen hat er uns immer gewarnt. Sogar wenn unsere geliebten Tiere gingen hat er geblüht. Nur nicht ganz so prächtig, wie bei engen Verwandten. Wir wussten daher immer, wann etwas geschehen würde, nur nicht immer wen es treffen wird.

Als ich 19 Jahre alt war, hat dieser Rosenstock mehr geblüht als je zuvor. Eine Woche später ist meine Uroma mit 96 Jahren sehr friedlich gestorben. Sie war bis 4 Tage zuvor kerngesund und trotz der schlimmen Erfahrungen in ihrem Leben, immer glücklich und zufrieden mit sich und der Welt.

Sie hatte ihr ganzes Leben lang die Kirche abgelehnt, aber einen starken Glauben an die jenseitige Welt und ein Wesen, das uns alle beschützt. Von dem wir alle gekommen sind, das immerwährend in uns lebt und zu dem wir zurückkehren werden.

Am Tag, als sie starb, saß meine Mutter (ihre Enkelin) an ihrem Sterbebett und hielt ihre Hand. Meine Uroma plauderte ein wenig mit ihr und lächelte immer wieder in eine Ecke des Raumes. Dann drehte sie sich meiner Mutter zu und sagte: „Kind, du musst mich jetzt loslassen, damit ich zurückgehen kann. Bitte lass jetzt meine Hand los.“

Meine Mutter lies die Hand los und meine Oma seufzte ganz tief. Danach starb sie mit einem Lächeln auf den Lippen.

Am Tag ihrer Beerdigung hat meine Mutter alle Blüten des Rosenstocks abgeschnitten und wir haben sie der Uroma ins Grab geworfen. Es war eine heitere und lustige Stimmung auf der Beerdigung. Niemand hat geweint, am liebsten hätten wir gesungen und getanzt, denn wir spürten ihre Nähe.

Einige Tage nach der Beerdigung hat meine Mutter den Rosenstock ausgegraben. Sie meinte, dass sie ab jetzt nicht mehr gezeigt bekommen möchte, wenn jemand stirbt.