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Martin Heyden & Biggi Weber: Auf der Suche nach der Ewigkeit – Realitäten

Leseprobe aus dem Buch: „Auf der Suche nach der Ewigkeit – Realitäten“ von Martin Heyden/mit Kurzgeschichten von Biggi Weber:

 

Kurzgeschichte:

Leben im Paradies

Baldur und Disir sitzen eines Abends mit ihren beiden Kindern Hugin und Munin am Lagerfeuer und erzählen sich Geschichten. Das Leben der Familie ist geprägt von Liebe und Verständnis, ebenso wie das Leben aller anderen Lebewesen auf dem Planeten Erde.

Baldur hilft gerne den anderen Bewohnern der Stadt bei kleineren Reparaturen im Haus.

Disir unterstützt Frauen während der Geburt und Stillzeit ihrer Babys.

Alle Menschen helfen sich gegenseitig, jeder nach seinen Fähigkeiten und Begabungen. Durch diese Zusammenarbeit erhält jeder das was er braucht und kann das weitergeben was er selbst am Besten kann.

Da die Lebewesen sich überwiegend von Sonnenlicht und der überall verbreiteten Liebe “ernähren”, sind die Bedürfnisse nicht all zu groß.

Abends trifft man sich mit der Familie oder Freunden am idyllischen Lagerfeuer um die Ereignisse des Tages oder einfach nur verrückte Geschichten zu erzählen. Dazu werden, aus rein gesellschaftlichen Gründen, kleine vegetarische Speisen gereicht, die allesamt wild wachsen.

Die meisten Menschen benötigen nur ein einfaches Dach über dem Kopf das sie vor Regen oder zu viel Sonne schützt. Da ständig die gleichen angenehm warmen Temperaturen herrschen benötigen die Menschen kaum Kleidung. Die wenigen Kleidungsstücke mit denen sie ihre Körper schmücken gestalten sie aus gewebten Hanffasern.

Ansonsten lebt Jeder in den Tag hinein, wie er es gerne möchte. Es gibt keine festen Schlaf- oder Wachphasen sondern wer müde ist schläft und wer wach ist beschäftigt sich mit etwas das ihm Spaß macht.

Hugin, der Sohn von Baldur und Disir hat schon als Kleinkind die Fähigkeit besessen sich per Gedankenübertragung mit allen Tieren der Erde zu verständigen. Darum leben bei dieser kleinen Familie auch eine große Zahl wilder Tiere, die alle friedlich nebeneinander liegen oder auch manchmal übermütig miteinander spielen. Hugin verbringt einen Großteil seiner Zeit mit diesen Tieren und hat abends immer tolle Geschichten zu erzählen, die er von den verschiedenen Tieren tagsüber gehört hat.

Seine Schwester Munin dagegen kennt alle Pflanzen und ihre Wirkungsweisen. Wenn es einem Tier nicht gut geht, weil es zum Beispiel aus Langeweile eine ihm fremde Pflanze gekaut hat, fragt Hugin zuerst seine Schwester wohin er das Tier begleiten soll, damit es die richtigen Kräuter fressen kann um seine Magenverstimmung wieder los zu werden.

Auch die anderen Bewohner der Stadt kommen alle zu Munin um sich beraten zu lassen welche Pflanzen für ihre Bedürfnisse die richtigen sind. Ebenso unterstützt sie ihre Mutter bei der Versorgung von schwangeren und stillenden Frauen.

Normalerweise sind die meisten Menschen körperlich und seelisch gesund doch manchmal gibt es Situationen in denen man aus unbekannten Gründen plötzlich traurig, unruhig oder ängstlich wird. Dann können Mulins Pflanzen helfen auf andere Gedanken zu kommen und das Leben wieder in vollen Zügen zu genießen.

An diesem Abend erzählt zunächst Hugin eine Geschichte, die ihm am Nachmittag ein Wildesel erzählt hat:

Es war einmal ein kleiner Esel, der lebte auf einem Bauernhof. Tag für Tag musste er schwere Säcke mit Getreide zur Mühle und auf dem Rückweg Säcke mit Mehl zum Hof tragen.

Wenn der kleine Esel sich weigerte den Weg zu gehen bekam er vom Stallburschen des Bauern harte Schläge mit einem Stock auf seinen ohnehin geschundenen Rücken.

Am Abend band ihn der Stallbursche dann mit einer Eisenkette im Stall fest. Diese war so kurz, dass der kleine Esel sich nicht einmal richtig auf den Boden legen konnte ohne dass ihm die Luft abgeschnürt wurde. Dann warf ihm der Stallbursche noch lieblos eine handvoll Heu in die Krippe und trottete davon.

So ging es viele, viele Jahre. Der kleine Esel wurde älter und immer trauriger und einsamer. Auch sein Rücken schmerzte von Tag zu Tag mehr. Eines Abends, als der inzwischen sehr alte Esel wieder einsam und alleine in seinem Stall auf dem trockenen Heu herum kaute und ihm die Tränen der Verzweiflung die Wangen hinunter liefen erschien plötzlich eine sehr helle Gestalt neben ihm.

“Wer bist Du?” stotterte der Esel erschrocken und verschluckte sich an dem Bissen Heu den er gerade hinunterschlucken wollte. “Ich bin Dein Schutzengel” schmunzelte das helle Wesen und klopfte dabei kräftig den Rücken des hustenden Esels. “A-aber was machst Du hier bei mir?” stammelte der Esel immer noch leicht hüstelnd. “Nun”, begann der vermeintliche Engel langsam “ Du rufst doch schon viele Jahre nach mir. Bisher dachte ich immer der Bauer hätte irgendwann Mitleid mit Dir und würde sich besser um Dich kümmern. Leider musste ich heute erkennen, dass das wohl nicht der Fall sein wird und darum bin ich nun hier um dir zu helfen.” “Wie willst DU mir denn helfen?” entgegnete der Esel missmutig. Dann brustete er sarkastisch: “Wirst Du mir etwa Flügel verleihen, damit ich davon fliegen kann?”

Der Engel überlegte kurz, dann meinte er: “Hm, auf die Idee bin ich gar nicht gekommen aber jetzt wo Du das vorschlägst. Warum nicht?” Ehe sich der alte Esel besinnen konnte sprang die Kette an seinem Hals entzwei und er schwebte ganz langsam und leicht in die Höhe. Der Engel setzte sich auf seinen Rücken und streichelte ihn zärtlich. Bei jeder Berührung des Engels wurden die Schmerzen des Esels weniger bis er schließlich völlig schmerzfrei und laut lachend in die Wolken eintauchte.

Immer höher und höher flogen nun der Esel mit seinem Engel auf dem Rücken. Als sie die Erde verlassen hatten und an den vielen Sternen mit rasender Geschwindigkeit vorbei flogen löste sich der Körper des Esels immer mehr auf und er verwandelte sich ebenfalls in einen hell leuchtenden Engel.

“Juhu, jetzt weiß ich wieder alles!” schrie der neue Engel aufgeregt. “Ich habe mich vor vielen Jahren entschieden als Esel auf dem Planeten Erde zu leben um die Erfahrung zu machen was Einsamkeit, Traurigkeit und Schmerz bedeutet. In Wahrheit aber bin ich ein Engel und nun sehr froh wieder hinter alle Welten zurück zu kehren.”

Nachdem Hugin seine Geschichte beendet hat blickt er seine Eltern mit großen Augen an. “Diese Geschichte hat mir ein Wildesel erzählt und er hat geschworen, dass es eine wahre Geschichte von vor einigen tausend Jahren sei. Ich habe ihm nichts geglaubt aber ich wollte ihm auch nicht widersprechen weil er seine Geschichte so überzeugt erzählt hat. Aber das wovon er berichtet gibt es doch gar nicht?

Ich weiß nicht was ein Bauer sein soll, was eine Mühle ist, Mehl und Getreide sagt mir auch nichts?”

“Nun”, beginnt sein Vater aufmerksam den Kindern zugewandt: “Ihr müsst wissen, dass wir Menschen nicht immer so friedlich und glücklich miteinander und mit den anderen Lebewesen gelebt haben.

Vor einigen tausend Jahren herrschte auf diesem Planeten viel Elend, Krieg und Zerstörung. Die Menschen haben die Natur ausgebeutet, viele Tiere gequält und sich auch gegenseitig unterdrückt und misshandelt.

Damals mussten die Menschen sich mit Essen ernähren, weil sie noch nicht feinstofflich genug waren um mit Sonnenlicht und Liebe ihre Körper zu erhalten. Diese Menschen haben sogar Tiere gegessen.”

“Das ist ja grauenvoll”, rief Munin entsetzt. “Ja” sagte der Vater in ruhigen Ton “Es war nun mal eine andere Zeit. Lange Zeit davor haben Menschen sogar andere Menschen gegessen aber dies wurde inzwischen abgelehnt.” Die Kinder schüttelten sich vor Ekel und wurden sehr traurig.

Der Vater erzählte weiter: ”Ein Großteil der damaligen Menschen waren Sklaven von wenigen anderen Menschen. Diese hatten ein Tauschmittel das man “Geld” nannte in Umlauf gebracht. Im Gegensatz zu heute konnte nicht jeder nach seinen Fähigkeiten leben oder einfach schlafen wenn er müde war. Die Ausbeuter der Menschen zwangen diese jeden Tag zu einer bestimmten Zeit aufzustehen und “zur Arbeit” zu gehen um sich dieses Tauschmittel zu verdienen. Viele bekamen, trotz schwerer Arbeit, nur wenig von dem Tauschmittel. Ein großer Teil dieses Tauschmittels wurde den Menschen dann noch, von sogenannten Politikern als Steuern bezeichnet, wieder abgenommen.

Zu diesen Menschen gehört auch der Bauer aus deiner Geschichte, Hugin. Dieser hat den kleinen Esel ausgebeutet weil er selbst das Tauschmittel verdienen musste indem er selbst angepflanztes Getreide in einer Mühle zu Mehl verarbeiten lies. Dieses Mehl konnte er dann anderen Menschen verkaufen die daraus Brot gebacken haben.

Viele Millionen Menschen mussten Dinge tun, die ihnen weder Spaß machten noch zu Zufriedenheit führten. Viele konnten trotz zehn oder mehr Stunden Arbeit mit dem Rest des Tauschmittels nicht ihre Familie satt machen.

Da das Klima überwiegend kalt und unfreundlich war, mussten sich die Menschen in gebaute Wohnungen zurückziehen, diese mit Erdöl heizen und auch Kleidung aus Baumwolle und Erdöl tragen. Die Ausbeuter stellten immer mehr Ware aus Erdöl oder künstlichen Materialien her. Sie vergifteten die Nahrung und Kleidung der Menschen, sodass diese auf angebliche Ärzte angewiesen waren, die ihnen versprachen sie wieder gesund zu machen.”

Munin war fassungslos. “Aber es wächst doch alles in der Natur, was Menschen brauchen wenn es ihnen nicht gut geht!” “Das ist richtig” stimmt ihr Vater zu “aber, die Menschen damals waren zu sehr von der Natur getrennt um von ihr zu leben.

Eines Tages haben dann einige der Ausbeuter eine sehr gefährliche Waffe namens Atombombe eingesetzt und in kurzer Zeit den gesamten Planeten vergiftet. Leider mussten zu dieser Zeit viele Seelen viel zu früh und unter Qualen ihre materiellen Körper verlassen.

Die Erde wurde durch diese Katastrophe ein wenig in ihrer Umlaufbahn verschoben und dadurch hat sich ein völlig anderes und gleichmäßiges Klima eingestellt. Die überlebenden Lebewesen wurden ab dieser Zeit bewusster und entwickelten sich zu den heutigen Lebensformen zu denen ihr beide auch gehört.”

Die Kinder sind nach dieser Geschichte sehr nachdenklich und müde. Sie gehen sofort schlafen und träumen von ihrem Paradies und dem kleinen Esel aus vergangenen Tagen.